Künast gibt Kandidatur bekannt

Seit Wochen warteten ihre Anhänger darauf, jetzt war es soweit. Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, hat am Freitag im Rahmen eines Mitgliederabends der Partei in Berlin erklärt, für das Bürgermeisteramt der Hauptstadt kandidieren zu wollen. Am Sonntag soll Künast vom Landesparteitag der Grünen dann auch offiziell zur Herausforderin des regierenden Bürgermeisters Wowereit nominiert werden.

Im eleganten Hosenanzug stand Renate Künast am Rednerpodest. Sie hielt keine große Rede, aber es schien die richtige zu sein. Sie stand unter dem Motto: Die Hauptstadt kann mehr. Bevor Künast allerdings zum entscheidenden Satz kommt, vergeht knapp eine Stunde. Eine Stunde, die sie nutzt, um mit Klaus Wowereits Arbeit als Regierender Bürgermeister Berlins abzurechnen. Berlin sei eine Verheißung, seine Regierung dagegen eine Zumutung, ruft Künast in den Saal und erntet dafür lauten Applaus. Immer wieder variiert die Fraktionschefin der Grünen zwei Botschaften: „Berlin verdient mehr“ und „Berlin kann mehr“. Und wieder zielt sie damit auf Wowereit und seine Regierung ab und wirft ihnen vor, zu wenig aus der Stadt zu machen, zu wenig aus ihren Bewohnern zu machen und zu wenig für die Stadt zu machen.

Renate Künast erinnerte ein wenig an Barack Obama, als sie davon spricht, Berlin sei reif für einen Politikwechsel. Aber auch George W. Bush, Obamas Vorgänger, hatte sie nicht vergessen. Wie einst der ehemalige US-Präsident verwendete auch sie die Phrase, dass kein Kind auf der Strecke bleibe. Damit spielte sie auf die ihrer Meinung nach schlechte Bildungspolitik Wowereits an. Freiheit und Gerechtigkeit würden zusammengehören, erklärte sie – und dass manchmal weniger Emotionen und dafür mehr Rationalität ganz gut tun würden. Sätze, wie man sie sonst nur von Politikern der Volksparteien gewohnt ist. Renate Künast scheint jedenfalls zu wissen, wie sie alle Wählerschichten anspricht und könnte deshalb zur ernsten Gefahr für Klaus Wowereit und seine Regierung werden. Auch wenn dieser das noch nicht zu glauben scheint, denn die Komplimente, die Künast auch aus dem Regierungslager erhält, klingen ein wenig so, als würde sie unterschätzt werden. Am 18. September 2011 stellt sich heraus, ob zu Recht oder zu Unrecht. Dann wird in Berlin das neue Abgeordnetenhaus gewählt.

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